Besser wird man auf der Couch

Viele ehrgeizige Sportler trainieren Tag für Tag, legen Extraeinheiten ein und geben jedes Mal 110%, doch wirkliche Erfolge wollen sich nicht einstellen. Ein Problem, dass auch ich in meiner Anfangszeit am Olympiastützpunkt erleben musste. Um den Abstand zu den Topspielern zu verkürzen, wollte ich immer mehr machen als die anderen und möglichst viel trainieren. Trotzdem schien ich von meinem Leistungsniveau auf der Stelle zu treten. Jede Minute auf der Couch plagte mich ein schlechtes Gewissen, nicht zu trainieren und Zeit zu verlieren. Dabei waren es genau diese Zeiten auf der Couch, bzw. Auszeiten mit Nichts-tun, die mir zum Besserwerden gefehlt haben und das aus einem einfachen Grund.

 

Kurz nach einer intensiven Belastung ist das Leistungsniveau deutlich niedriger als zu Beginn und steigt erst während der anschließenden Pause wieder an. Nach einer bestimmten Zeit übersteigt die Leistungskurve dann allerdings das Anfangsniveau. Dieser Effekt, der auch Superkompensation genannt wird, ist für uns Sportler von größter Bedeutung, denn hierdurch können wir Trainingserfolge erreichen. Die Kurve steigt aber natürlich nicht ungebremst weiter. Bei zu langer Pause pendelt sich der Leistungsstand wieder auf dem Anfangsniveau ein. Daher muss es das Ziel sein, den folgenden Trainingsreiz im Bereich der Superkompensation zu setzen, um einen erneuten Leistungsanstieg zu erzielen. Folgen Reize zu dicht aufeinander und hat der Körper nicht genug Zeit, sich zu erholen, droht die Gefahr des Übertrainings und eine abfallende Leistungskurve ist die Folge. Diese Schaubilder veranschaulichen die beiden Fälle.

 

 

Somit ist der Schlüssel zum Trainingserfolg nicht ein maximal intensives Training oder größtmögliche Umfänge, sondern das perfekte Timing und Wechselspiel zwischen Belastung und Pause. Vor allem extrem motivierte und ungeduldige Athleten haben hiermit häufig Probleme. Hier ist es wichtig zu akzeptieren, dass manche Dinge Zeit brauchen und zu verstehen, dass Pausen keine Auszeiten vom Training, sondern ein wichtiger Teil des Trainingsprozesses sind.

 

Während der Pausen nach einem anstrengenden Training seid ihr vielleicht nicht aktiv, aber euer Körper ist es definitiv. Beschädigte Muskelfasern werden nicht nur erneuert, sondern sogar verstärkt, um ähnlichen Belastungen das nächste Mal besser Stand zu halten. Gleiches gilt beispielsweise auch für geleerte Energiespeicher, die nicht nur wieder befüllt, sondern auch vergrößert werden, um zukünftig mehr Energie liefern zu können. Selbst bei mentalen Belastungen sind Pausen extrem wichtig. Kognitive Strukturen, wie neu gelernte Techniken oder Taktiken, verfestigen sich erst in stressfreien Situationen und vor allem bei ausreichend Schlaf.

 

Solltet ihr also das nächste Mal ausgepowert auf eurer Couch sitzen, könnt ihr ruhig zufrieden die Beine hochlegen und daran denken, dass ihr genau in diesem Moment besser werdet!

 

Tobias Wadenka

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